Ausstellungen

43. OSTALLGÄUER KUNSTAUSSTELLUNG der Stadt Marktoberdorf 

11. November 2021 bis 16. Januar 2022

 

Mit der jährlich stattfindenden Ostallgäuer Kunstausstellung bietet die Stadt Marktoberdorf Künstlerinnen und Künstlern aus Bayerisch Schwaben die Möglichkeit, sich einem größeren Publikum in einem musealen Rahmen vorzustellen und setzt den Fokus ganz auf die Förderung zeitgenössischer regionaler Kunst. Die Auseinandersetzung mit der einzigartigen Architektur des Künstlerhauses von Bearth und Deplazes spielt hier eine besondere Rolle. Im Zusammenspiel mit dem Gebäude entfaltet Kunst eine sehr individuelle, ortsspezifische, manchmal überraschende Intensität und bildet ganz neue, ungewohnte Spannungsfelder. Die Ausstellung dient dem lebendigen Austausch der Kunstschaffenden untereinander und mit der Öffentlichkeit – also dem Dialog über Kunst insgesamt, über ihre Ideen, ihren Gehalt oder ihre Vision für und in der Gesellschaft.

Die Ostallgäuer Kunstausstellung genießt weit über die Grenzen von Marktoberdorf hinaus hohes Ansehen und einen besonderen Stellenwert. Einen besonderen Anreiz für die Künstler bieten auch die drei Preise, die jedes Jahr von der hochkarätig besetzten Jury vergeben werden:der „Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis 2021“ der Stadt Marktoberdorf (3.000 Euro),der „Sonderpreis der Franz Schmid-Stiftung 2021“ (2.500 Euro) sowieder „Familie Paul Breitkopf-Preis 2021“ (2.000 Euro).

 

 

Jurymitglieder 2021:

Dr. Pia Dornacher, Museum Lothar Fischer, Neumarkt i.d.OPf.

Marco Hompes, Kunstmuseum Heidenheim

Joschi Josephski, Galerie Josephski-Neukum, Issing

Joseph Zankl, BBK Schwaben Nord und Augsburg e. V.

Benedikt Zint, BBK Allgäu/Schwaben-Süd e. V.

 

 

 

 

 

Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis 20221der Stadt Marktoberdorf

geht an

 

Jonas Maria Ried | Weitnau

Wassersturz |2019 | Full HD Video

 

Zum ersten Mal in der Geschichte der Ostallgäuer Kunstausstellung wird mit dem Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis eine Videoarbeit prämiert. Passend zur aktuellen Diskussion über den Klimawandel stellt Jonas Maria Ried mit dieser Arbeit die Frage nach der Hybris des Menschen. Sie zeichnet sich jedoch insbesondere dadurch aus, dass diese Interpretation nicht der vorrangige Ansatz ist und eine Moralisierung vermieden wird. Zunächst präsentiert sie sich als wunderbares Naturbild, dessen vermeintliche Authentizität durch das Video bewiesen scheint. Durch das eingreifende Handeln des Menschen sowie die ständige Wiederholung entwickelt sich die Videoarbeit zu einer absurden Geschichte mit ironisierendem Charakter. Dies regt zu einem offenen Diskurs an. Es reflektiert unser Verhältnis zur Natur auf neue Weise. Die Arbeit bleibt dabei spielerisch und leicht, greift aber gleichzeitig mit fotografischen Mitteln einen prägnanten Topos des 19. Jahrhunderts auf, die im Atelier konstruierte Inszenierung scheinbar natürlicher Landschaftsformen. So ordnet sich dieses Video fast unbemerkt in einen historischen Kanon ein und erinnert gerade durch das Einfügen des Künstlers als Rückenfigur an Bilder Caspar David Friedrichs. „Wassersturz“ ist in vielerlei Hinsicht ein wichtiger, zeitgemäßer Beitrag zum aktuellen Kunstgeschehen.

 

Kurzvita

1989* geboren in München, lebt und arbeitet in Weitnau

2009-12 Ausbildung zum Holzbildhauer in Garmisch-Partenkirchen

2012-18 Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (Diplom)

2020 Meisterschüler (im Weißenhof-Programm) bei Rainer Ganahl und Mariella Mosler

Zahlreiche nationale Ausstellungen

Preise und Stipendien (Auswahl)

2016 Akademiepreis

2020/21 Stipendium Stiftung Kunstfonds

Jonas Maria Ried | Wassersturz | 2019| Full HD Video | Videostill | © Jonas Maria Ried | Wassersturz | 2019| Full HD Video | Videostill

Sonderpreis der Franz Schmid Stiftung 2021

geht an

Christine Reiter | Augsburg

Gitter |2021 |Experimenteller Hochdruck, Handabzug | 84,5 x 60,5 cm

 

Christine Reiter erhält den Sonderpreis der Franz Schmid Stiftung für ihren experimentellen Mut, alltägliche Materialien zu verwenden, ihre Strukturen sichtbar zu machen und diese mit einer scheinbar figürlichen, aber letztendlich doch abstrakten Bearbeitung von Holzstöcken im Hochdruckverfahren zu verknüpfen. So entsteht eine neue Möglichkeit, Druckgraphik haptisch und sinnlich erfahrbar zu machen, mit gegenständlichen und abstrakten Elementen zu spielen und unseren Wahrnehmungshorizont zu erweitern. Dem Betrachter bieten sich freie Assoziationsmöglichkeiten trotz der zunächst vordergründigen Gegenständlichkeit. Die Verwendung von Rupfen sowie die Überschneidung der verschiedenen Druckstöcke bilden den besonderen Reiz ihrer Arbeit und setzen die obere und untere Fläche in ein eigenes Spannungsverhältnis. Sie werfen die Frage nach unseren Projektionsflächen und Begrenzungen auf. Die Arbeiten Christine Reiters zeichnen sich durch große Experimentierfreude und eine herausragende Vielseitigkeit zwischen Graphik, Malerei, Drucktechnik, Bildhauerei und Fotografie aus.

 

Kurzvita

1954* in Schwabmünchen, aufgewachsen in Untermeitingen, lebt und arbeitet in Augsburg

Seit 1998 künstlerisch tätig

Ab 2008 Unterricht bei Sati Zech

Berufsverband Bildender Künstler, Künstlervereinigung „Die Ecke“ in Augsburg

Zahlreiche nationale Ausstellungen

Preise (Auswahl)

2013 Kunstpreis der Künstlervereinigung „Die Ecke“

2014 Schwäbische Grafikausstellung, Senden 2014, Preisträgerin des Bürgerförderpreises

2020 Preisträgerin „Schwäbische Skulptura 2020“, Buxheim; Kunstpreis der Gemeinde Buxheim

 

 

 

Christine Reiter | Gitter | 2021 |  Foto: Christine Reiter | © Christine Reiter | Gitter | 2021 |  Foto: Christine Reiter

Familie Paul Breitkopf-Preis 2021

erhält

 

Guido Weggenmann | Kempten

Abgeliebt | 2021 | Holz, Getriebemotor, Hometrainer, Kostüm, Kunststoff | 180 x 50 x 95 cm

 

Guido Weggenmanns große Kunst ist es, Abgelegtes zu entdecken und ihm Leben einzuhauchen. Mit technischer Raffinesse, aber in scheinbar rudimentär zusammengezimmerter Weise baut er Produkte unserer Wegwerfgesellschaft zu beweglichen Bildern um, die das endlose Streben des Menschen nach bedingungsloser Zuneigung und dem Zwang der Selbstoptimierung spiegeln. Weggenmann greift ironisierend zentrale Punkte menschlicher Bedürfnisse auf, die einen Teddybären zu einem ewig vor sich hin radelnden monströsen Wesen werden lassen, welches niemals sein Ziel erreichen wird. Sein überdimensioniertes Plüschtier ist „Abgeliebt“. Dieser Titel suggeriert das Paradoxon unserer Wegwerfgesellschaft, welches sich von Kindheit an mit Ersatzbefriedigungen arrangiert. Er weist mit der Neusetzung abgelegter Waren darauf hin, dass wir durch den steten Erwerb, Gebrauch und die Entsorgung von Konsumgütern die eigentlichen Voraussetzungen menschlichen Zusammenlebens, unsere ewige Sehnsucht nach Liebe und Nähe, kompensieren. Seine absurde Figur ermöglicht es uns, über zentrale Themen der menschlichen Identität und des gesellschaftlichen Zusammenhangs nachzudenken.

 

Kurzvita

1980 geboren in Berlin, lebt und arbeitet in Kempten

1995 Ausbildung zum Holz-Steinbildhauer

2002-08 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Olaf Metzel

2007 Meisterschüler bei Prof. Olaf Metzel

Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen

Preise (Auswahl)

2007 Bürger-Förderpreis Marktoberdorf

2015 Sonderpreis der Franz Schmid Stiftung Marktoberdorf

2016 Erwin und Gisela von Steiner Stiftung Akademie München

2016 Förderpreis der Dr. Rudolf-Zorn-Stiftung Kempten

 

Guido Weggenmann | Abgeliebt | 2021 |  Foto: Guido Weggenmann | © Guido Weggenmann | Abgeliebt | 2021 |  Foto: Guido Weggenmann