Aufgetischt! Vera Mercer und Daniel Spoerri

 
   
vom 16. Februar bis 19. Mai 2019

Aufgetischt! - der „Tisch“, der bei Daniel Spoerris Fallenbildern zum Bildträger wird,stellt auch bei Vera Mercer den Boden für ihre fantastischen Foto-Stillleben dar.

Vera Mercer

ist in der Kunstszene in den letzten Jahren als eigenwillige und faszinierende Fotografin
entdeckt worden. Ihre phantastischen Foto-Stillleben von barocker Fülle und
herausfordernd leuchtenden Farben in großem Format faszinieren und
irritieren den Betrachter zugleich. Das Thema um Markt, Küche, Essen und
Kunst entdeckt sie für sich in den 1960er Jahren, als sie bei den
nächtlichen Streifzügen mit Jean Tinguely und Daniel Spoerri (den sie 1958 heiratet)
in den Pariser Markthallen „Les Halles“ fotografiert: Nahrung wie Früchte und Gemüse, Fleisch und Fisch im ganzen Stück oder in Teilen. In dieser Zeit wird sie gemeinsam mit Spoerri Teil der Pariser Künstler-Avantgarde um Marcel Duchamp und Robert Filliou, Niki de Saint-Phalle und Jean Tinguely.
Heute lebt Vera Mercer in Omaha und Paris. Sie stellt sich mit ihren opulenten Blumen-, Früchte- und Tierstillleben jenseits zeitgenössischer Kunstmoden. In manchen Stillleben rückt Mercer die jeweilige Aufnahmesituation insbesondere durch extreme Größenverhältnisse ins Absurd-Surreale. Frisches Obst oder Fisch, halb verblühte Blumen und Tierknochen, also alle Grade der Vergänglichkeit, existieren einträchtig nebeneinander. Klassische Vanitasmotive wie Schädel oder halb heruntergebrannte Kerzen gemahnen – als Memento mori – symbolhaft an die eigene Sterblichkeit.

Daniel Spoerri

gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Objektkunst. Als Meister der Assemblage, Mitbegründer der Nouveaux Réalistes schreibt er Kunstgeschichte. Er wurde vor allem durch seine „Fallenbilder“ („Tableaux pièges“) weltbekannt. Das sind auf Tischplatten fixierte Überreste einer Mahlzeit oder einer anderen zufällig vorgefundenen Situation (Arbeitstisch oder Flohmarktstand). Eingefangen wird damit ein Stück Alltagswirklichkeit wie in einer Falle („piège").
Mit dem „Restaurant Spoerri“ und der dazu gehörigen „Eat Art Galerie“, die er 1968 in Düsseldorf eröffnete, wurde Spoerri zum Begründer der Eat Art. Eat Art, das ist für Daniel Spoerri das Essen und Kochen als Teil des Lebenszyklus. Seine Kunst umfasst Objektkunst und Prozess-Kunst, denn der aufgeklebte Moment ist nur ein Aspekt eines Gesamtzyklus, zu dem Leben und Tod, Verwesung und Wiedergeburt gehören. Zentrale Themen in seinem Werk sind der Geschmackssinn des Menschen und das Hinterfragen von Essgewohnheiten. Die Verfremdung von Speisen stellt überlieferte Sinneswahrnehmungen und Traditionen in Frage oder irritiert sie zumindest.
Die Porzellan-Manufaktur Meissen lädt ausgewählte zeitgenössische Künstler (darunter Daniel Spoerri) zum Arbeiten mit dem Werkstoff Porzellan ein. Hier entstand in den letzten Jahren eine neue Serie mit zerbrochenem weißem Geschirr, das in der Tradition der Fallenbilder als „gedeckter Tisch“ vertikal an der Wand befestigt wird.
„Ich habe nie mit Porzellan gearbeitet, ging also nach Meißen wie ein Elefant in den Porzellanladen. Ich versuchte also das Material zu untersuchen; fand heraus, dass man es zerreißen, zerschneiden, zerbrechen und erweichen kann. Das Resultat sind diese Verbrechen.“ (D. Spoerri)

Die Ausstellung „Aufgetischt! Vera Mercer und Daniel Spoerri“ wird von der Franz Schmid Stiftung Marktoberdorf finanziert, mit freundlicher Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.



Downloads:
Flyer Aufgetischt! Vera Mercer und Daniel Spoerri

Bilder

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